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No. 10 – Balkongärtnern

Ich wage die Behauptung, dass Gärtner mit die glücklichsten Menschen sind. Das Wühlen in der  frischen Erde, das Säen und Hegen von Pflanzen hat etwas so Meditatives, dass wir uns nach dem Gärtnern manchmal fühlen wie nach ein paar Tagen Ferien. Und in dieser Corona ver-rückten Zeit ist anstelle von den Malediven als Feriendestination dieses Jahr wohl auch eher Gardinien und Balkonien angesagt. Jedenfalls finde ich das viel stressfreier und genüsslicher.

Meine Behauptung, dass Gärtnern glücklich macht bestätigt die wunderbare Philosophie «Ikigai». Der Begriff „Ikigai“ stammt aus dem Japanischen und kennzeichnet eine Lebenseinstellung. Es bedeutet übersetzt in etwa „das, wofür es sich zu leben lohnt“, „Freude und Lebensziel“ oder „etwas, wofür es sich lohnt, am Morgen aufzustehen“. Auf der japanischen Insel Okinawa leben die ältesten Menschen der Welt, die meisten über einhundertjährig. Außer täglicher moderater Bewegung, gesunder Ernährung und einem Leben in Gemeinschaft mit anderen ist das „Ikigai“ eines der zentralen Gründe für ihr hohes Alter. Sie kennen den Begriff „Ruhestand“ nicht und bleiben zeitlebens aktiv. Praktisch alle gärtnern und teilen ihre Erzeugnisse mit den Anderen Inselbewohnern.

Topfwahl für den Balkon

Auf dem Balkon arbeite ich hauptsächlich mit größeren Ton- und Eternittöpfen. Ich wähle bewusst übergroße Töpfe und befülle nicht mit Blähton, sondern gebe in das untere Drittel der Gefäße ähnlich wie bei Hoch- und Hügelbeeten grobes Gartenmaterial, Grobkompost, Beinwell und Brennesselblätter. Einerseits ergibt sich dadurch eine Kompostier- und Wärmeentwicklung und die Pflanzen erhalten gleichzeitig eine Grunddüngung im Wurzelbereich, sodass eine weitere Düngung im Laufe der Saison kaum mehr nötig ist.

Zu beachten gilt es, dass einige Pflanzen sich nicht gut miteinander vertragen. Schnittlauch und Petersilie zum Beispiel. Rosmarin und Salbei hingegen stecken ihre Wurzeln und Blätter gerne zusammen. Salat passt zu praktisch allen Gemüsesorten. Karotten und Lauch unterstützen sich und halten sich die Karotten und Lauchfliegen gegenseitig vom Leibe. Ich liebe es übrigens Salate und Gerichte zu verzieren. Kapuzinerkresse hat eine stärkende Wirkung auf den Organismus und ist ein Hingucker auf jedem Salat. Auch Goldmelisse, Ringelblumenblüten und Stiefmütterchen eignen sich toll zur Verzierung der Speisen und mit Pflanzen wie dem wunderbar duftenden Lavendel hat man gleich ein Provence Feriengefühl beim Empfang von Gästen auf dem Balkon.

Und das Wichtigste zum Schluss des Monats Juni. Es ist noch kein Gartenprofi vom Himmel gefallen. Gärtner sind Optimisten. Natürlich gibt es immer wieder Rückschläge durch Frost, Unwetter oder Ungeziefer. Mein Rat ist klein und einfach anzufangen. Im schlimmsten Fall ist die Ernte beim ersten Mal etwas geringer. Kaum etwas falsch machen kann man mit Kräutern, Salat, Minigemüse wie Cherry- Tomaten, Peperoni, Zucchetti, Auberginen und Kürbissen, wobei letztere doch etwas viel Platz in Anspruch nehmen. Zum Spaß habe ich kleinere Kürbissorten schon öfters an Hauswänden hochgezogen. Dabei haben wir die Setzlinge in der Rabatte am Haus gepflanzt und Kürbisse im dritten Stockwerk geerntet, wobei wir die Nachbarn aus dem dritten Stock dann gleich zum Kürbissuppen-Essen eingeladen haben!

Kartoffelanbau auf dem Balkon

Lustig ist auch der Kartoffelanbau auf dem Balkon. Dazu nimmt man einen möglichst hohen Topf, füllt etwas Erde ein und legt eine Handvoll Saatkartoffeln hinein. Sobald das erst Kraut zu sehen ist, packt man etwas Erde darauf. Und so geht das bis zur Ernte immer weiter. Praktisch für den Kartoffelanbau sind auch große Jute- oder „bacsac“ Pflanzsäcke.

Balkonobst

Für den Topfanbau gibt es spezielle Äpfel-, Zwetschgen- und Aprikosen-Säulenbäume, die nicht sehr groß werden.  Auch Heidelbeeren und Minikiwis, welche ich als Sichtschutz an der südlichen Hauswand hochziehe, liefern Jahr für Jahr tolle Erträge. Und die Monatserdbeeren und Walderdbeeren gedeihen prächtig in den Balkonkisten und werden vor allem von den Kindern heiß geliebt.

 

Mit den besten Wünschen aus dem Kräuterhaus Appenzell

Remo Vetter

Auf Fragen, Anregungen und den Austausch mit Ihnen freuen wir uns sehr. Sie erreichen uns unter mail@kraeuterhaus-appenzell.ch

 

Über den Autor

zieglerdaniel@mac.com

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